Otto & die Beatlejungs

2008 habe ich das Buch „Otto & die Beatlejungs“ veröffentlicht. Zuvor hatte ich den 60er-Jahre-Teil für die Ausstellung „Break on Through to the Other Side – Tanzschuppen, Musikclubs und Diskotheken in Weser-Ems“ für das Schlossmuseum Jever begleitet. Zu dieser Ausstellung erschien ein Katalog (Herausgegeben von Peter Schmerenbeck) mit gleichem Titel (ISBN 978-3-89995-431-9). In diesem Katalog findet man auch einen längeren Aufsatz von mir mit dem Titel „Beat Beat Beat – Vor uns war Krieg“.

Bei der Recherche bezüglich Informationen und Exponate für die Ausstellung war bald eine Fülle von Material und Kenntnissen über die Bands in dieser Region zusammengekommen. Das meiste konnte ich für die Ausstellung im Schlossmuseum nicht verwenden. So entstand die Idee, daraus ein eigenständiges Buch zu machen.  In “Shakin‘ All Over“ war die Region Weser-Ems recht kurz ausgefallen, da der Verlag es mit rund 500 Seiten am Limit sah und mir keine weiteren Ergänzungen gestattete. Also begab ich mich an die Arbeit: ein Buch über die Weser-Ems-Beatszene. Heraus kam „Otto & die Beatlejungs“ – 128 Seiten im Großformat, verlegt bei Isensee in Oldenburg (ISBN 978-3-89995-516-3).

Der Isensee-Chef, Herr Florian Isensee, hielt mich offensichtlich für einen Spinner. Erst ließ er Subskriptionskarten drucken, die er mir zur Verteilung übereignete, damit sich Leute verpflichteten, das Buch zu kaufen. Als ich ihm die gesammelten Subskriptionskarten überreichte, wollte er sie nicht haben, denn… „Wir drucken das Buch allemal!“ Als das Buch dann gedruckt vorlag, gab es keinerlei Präsentation, Lesung o.ä. Vielleicht weil ich nicht genug Geschichten erzählte, die sich mit Geschehnissen unterhalb der Gürtelschnalle beschäftigten, denn bei „A 60’s‘ Drummer“ legte sich der Florian diesbezüglich mehr ins Zeug. Da stehen die Ferkeleien sozusagen in Reih und Glied. Ich kenne auch sein Engagement für heimatkundliche Themen, jeder Bericht über eine Lupine im Schlossgarten wird ausführlich mit einer Buchpräsentation und einem Pressetermin garniert. Aber – im Gegensatz zu anderen Isensee-Veröffentlichungen – war „Otto & die Beatlejungs“ recht schnell ausverkauft. Ich kann es hier gestehen, ich fand Florian Isensee darüber hinaus überaus spießbürgerlich.

In „Otto & die Beatlejungs“ sind alle wichtigen Bands der Region vertreten, und die einschlägigen Lokale (u.a. der Big-Ben-Club in Wilhelmshaven und der Star-Palast in Oldenburg, wo sich meist englische Bands tummelten), die wichtigsten Impresarios, die unvermeidbaren Anekdoten werden ausführlich dargelegt. Ein Blick in den speziellen soziokulturellen Hintergrund darf nicht fehlen.  

Auch den Festivals (u.a. dem bekannten AOSV-Festival) wird Raum gegeben; ebenso dem Beatweltrekord von Cliff Cenneth & The Road Hogs im Star-Palast Oldenburg. Cliff Cenneth mögen manche als Eberhard Jupe kennen, andere als Mel Jersey und wiederum andere als die männliche Hälfte von Judith & Mel (ja, so tief kann ein Rock’n’Roller sinken)! Wem das noch nicht genügt, dem wird eine Fülle von Bildern (die meisten wohl bis dahin unveröffentlicht) zum optischen Genuss gereicht. Die Bands werden alphabetisch mit ihren besonderen Geschichten beschrieben. Ja, bereits 1963 spielte eine Oldenburger Band im Star-Club, Hamburg. Und einer der drei im Buch erwähnten Ottos trägt den Nachnamen Waalkes und ist mit der Band The Rustlers unter die Beatlejungs geraten.

Im Schloss zu Jever habe ich einen Vortrag zu diesem Thema gehalten – „Alles ist am Zucken.“

>> Vortrag im Schlossmuseum Jever anlässlich der Ausstellung _Break On Through…_

Kleine Anekdote am Rande: Ein paar Tage vor Abgabetermin bei Isensee habe ich samstags nachts gegen 24 Uhr die gesamte Buchdatei sowohl auf meinem PC als auch auf der externen Festplatte und auf dem USB-Sicherheitskopie-Stick überschrieben. Nicht gelöscht, das wäre ja wiederherstellbar gewesen, sondern überschrieben! Als mir dieses bewusst wurde, dachte ich, dass nun ein Herzinfarkt zwingend bevorstünde. Meine Frau sagte, ich sei fahl wie eine Leiche gewesen als ich sie weckte, um ihr von dem großen Unglück zu erzählen. Noch in der Nacht habe ich ein professionell arbeitendes Unternehmen antelefoniert, das auf die Wiederherstellung von verlorenen Daten spezialisiert ist. Auf meine Schilderung hin beschied man mir, dass sicher 30% des Buches in versprengten Dateien wieder zusammenzupuzzeln seien. Auf die Frage nach den Kosten sagte man: „Ab 4.500 Euro aufwärts.“ Meine Antwort: „Ich melde mich morgen noch mal.“ In dem Moment war das Buch für mich gestorben. 24 Stunden später war mir klar: das schreibe ich noch einmal. Und da ich ja wusste, was ich schreiben wollte, war das Buch schneller geschrieben als erwartet, und besser ist es auch geworden, da alle Redundanzen nun vermieden wurden. Mit nur kürzerem Überschreiten der Deadline kam das Buch heraus, allerdings hatte es 10 Seiten weniger, als veranschlagt.

Zum Buch „Otto & die Beatlejungs“ habe ich eine 18-Track-CD zusammengestellt, die – professionell gepresst und mit einem schönen Cover versehen – in einer limitierten Auflage von 300 Stück erschienen ist. Angefangen bei den Flying Arrows bis hin zu den Beatniks sind auf der CD Gruppen, die auch im Buch eine herausragende Rolle spielen. Die Klangqualität ist, obwohl es sich weitgehend um Amateuraufnahmen handelt, sehr gut, wenn auch nicht immer perfekt.

 

Errata.

Track 3   rec. & © Hans-Werner Kuntze

Track 13  © Lothar Krogmann

Track 16  rec Peter Möhlmann & © The Josephs

Tracks 2, 5   rec. & © Peter Möhlmann

Tracks 1, 4, 7, 17    rec. & © Eckhard Schöler

Tracks 6, 9, 10   rec. & © Otto Seitz

Hier einige Korrekturen und Nachträge zu OTTO & DIE BEATLEJUNGS

Seite 8 oben: Die Gaststätte in Ostfriesland ist „Bei Jonny Dieling“.
Seite 22 unten links: Der junge Mann neben Casey Jones ist nicht Roland Freund. Es ist Chris Priemel.
Seite 25 oben: Das Foto wurde beim Bandwettbewerb 1967 in Delmenhorst aufgenommen.
Seite 62 oben: Die abgebildete Band sind Les Partisans aus Delmenhorst!
Seite 73 unten: Rolf Eden, Engelbert Michas, Wolfgang Roth, Peter Hentschel (v.l.n.r.)
Seite 76: Peter Jacobs, Achim Aden, Waltraud Dirks, Werner Schartel, Detlef Horn (v.l.n.r.)

Korrekturen für ‚Otto & die Beatlejungs‘ von Reiner Molzahn

Seite 25, oben rechts: Das Foto zeigt die Jury der ersten Beat Session in Delmenhorts, Fabruar 1967. Ganz rechts der Verleger des Kreisblattes (dk) Dirk Schulte Strathaus, der auch als Veranstalter fungierte.  Das ganze fand in der Aula (Kleines Haus) des Max-Planck-Gymnasiums statt. Man erkennt es schön an den Schulbänken (mit Haken für die Schultaschen).

Seite 62 oben: Hier sehen wir die spätere Siegergruppe, Les Partisans. Im Hintergrund steht das Schlagzeug der Zweitplazierten The Idling Domestics. Die beiden Bands durften als Preis später eine Single (jeweils eine Seite) aufnehmen. Das Cover zierte das dk-Logo.

Seite 119: Das ‚La Palma‘ im Gewerkschaftshaus befand sich in der Orthstraße, Delmenhorst. Es wurde auch von allerhand Oldenburger Mädels angesteuert.

PS: Es gibt ein Buch über die Delmenhorster Szene der 60, geschrieben von Johann Peter Eickhorst und Thomas Breuer: Die wilden 60er – Eine Zeitreise in das Delmenhorst der 1960er Jahre. Auch der legendäre Besuch von Brian Jones 1967 in der Stadt und im Chico-Club sind in Wort und Bild ausführlich festgehalten.

Was die Presse zu „Otto & die Beatlejungs“ sagte: Presse