27                  "Zappa, Zoff und Zwischentöne" ist ein wichtiges Buch, denn es arbeitet zum ersten Mal die Internationalen Essener Songtage von 1968 auf und dokumentiert diese für die Nachwelt. Illustriert ist das Buch durchgängig mit interessanten Fotos vom ersten deutschen Rock- und Songfestival. Leider ist der Autor ein blasierter Studiendirektor a.D., der zur Rockmusik keinerlei Bezug hat, dem ergo die Kenntnis fehlt, dieses Festival in den richtigen Kontext zu stellen. Das Album „We Are Ever So Clean“ von The Blossom Toes befördert er zum besten Popsike-Album, „das je veröffentlicht wurde.“ (213) Sein angelesenes Wissen über Family resultiert in Käse. Und wenn er behauptet, seit „1967 gehörte es zu den Spielregeln, dass die Musiker umsonst spielten“ (241), so ist das einfach Stuss.

 Detlev Mahnert ist kein Musikjournalist. Er verfügt nicht über die Terminologie, um Musik zu beschreiben. Die Musik von Amon Düül wird zur „Lärmshow“ (172), der Afro wird zur „Papua-Frisur“. Er erfindet den „Underground-Schreisänger“. Die Hammond von Brian Auger wird zur „Wurlitzer“. Und wie magnetisiert greift Mahnert immer wieder auf die falschen Quellen zurück, oder zitiert solch himmelschreienden Unsinn wie aus der Hessischen Post Homberg vom 7.9.68 (211). Man fragt sich, warum Mahnert permanent den hahnebüchenden Unsinn von Thilo Koch zitiert. Er schreckt nicht davor zurück, selbst den größten Blödsinn aus dem Kolpingblatt (!!) (295) anzuführen und zu unterstellen, das Handelsblatt hätte Wesentliches zur Musik zu verlautbaren (296). Den Megahammer aber leistet Mahnert, indem er Gisela op den Camp vom Bielefelder Westfalen-Blatt zitiert: unglaublicher Mist von „psychodelischen Träumen“, bei dem sich mir die Nackenhaare kräuseln: „Man war sich wohlwollend einig, kam, glotzte und konsumierte: Das ganze bunte Allerlei-Programm der ganzen Einerlei-Gesellschaft. (…) Die angelsächsisch sexisch im Untergrund wühlte und langhaarige Mähnen über faschistische Politik und Pillen-Moral schüttelte. Den Parka um die Schultern und Mutterns Care-Paket unterm Arm bezahlten Popper und Protestler brav ihren Eintritt, sammelten Posters und linke Zeitschriften, waren „in“ und klatschten Beifall.“ (296f) Das ist sprachlicher und inhaltlicher Müll.

Weite Teile des Buches sind schlichtweg redundant, da der Autor bereits Gesagtes mehrfach wiederholt oder dutzendfach Zeitungsartikel zitiert, in denen schlichtweg Unsinn steht. Da fragt man sich schon, was das soll. Seine Zitierweise genügt keinerlei (vor)wissenschaftlichen Ansprüchen: das Jahr der Veröffentlichung ist ihm nicht bekannt, die Zitate sind oft nicht ausgewiesen oder die Relevanz für den Gegenstand zumindest zweifelhaft (189).

Die kleineren Sachfehler bzgl. der Auftritte von David Peel oder des instrumental set von The Mothers of Invention seien im verziehen, aber was die „schockierende Show der Mothers of Invention“ (190) war, hätte beschrieben werden müssen. Ich fand da nichts schockierend.

Als Musikzeitung kennt DM allein die Bravo, nicht OK, Musikparade, Song - oder die bereits 1968 existierende Sounds (ich habe auf den IEST ein Abo unterschrieben), in der man sich durchaus über neuere Musik informieren konnte.  

Mahnert spricht irrsinnigerweise von Musik aus Studio B als Kultsendung (179). Am meisten hat ihn Rick Abao beeindruckt, der so geflissentlich „Ein Männlein steht im Walde“ intoniert hat. Hallo?

Er bemängelt, dass die Medien für alle IEST-Besucher das Wort „Hippie“ benutzen, tut aber selbst das gleiche und dann noch auf einen Musiker wie Frank Zappa bezogen (187)! Nervend und sprachlich arm ist es, wenn er Zappa permanent als „Obermutter“ bezeichnet. Wie war das? Deutsch und Französisch?

Wenn jemand etwas Positives zur IEST veröffentlicht hatte, so unterstellt Mahnert heute, dass sich besagter Journalist „sich den einen oder anderen Joint gegönnt und mit THC im Blut und Sonne im Herzen alles im bewusstseinsvernebelnden Licht von Hübingers Stroboskop gesehen (hat), in dem Konturen nicht immer zu erkennen waren.“ (293)

Ständig grützt dieser bornierte ex-Gymnasiallehrer Abfälliges über die Besucher der IEST. Die dort politisierenden findet er allemal nur minderbemittelt und fehlgeleitet. Solche versucht er auf ironische Art in Misskredit zu bringen (195). Wir müssen dann Diffamierendes lesen, wie „nach Genuss des ersten Biers noch mutiger geworden“ (195)  oder „[der] (…) Gedanke an das Freibier lockte wohl zu sehr.“ (195) Er degradiert „das schmallippige Mädchen mit Nickelbrille, das nicht so aussah, als habe es von den Freuden des Lebens mehr als nur sporadisch genascht. Typ strenge Junglehrerin (Mathematik, Philosophie) [NB: Hey, der Mann war Mitglied der Schulleitung!], von der sexuellen Revolution nicht einmal gestreift.“ (156), um gleichzeitig gegen die „eher auf untere Körperhälften fokussierten Beziehung Obermaier – Langhans“ (173) zu polemisieren.

Wenn Mahnert die IEST zur Geburtsstunde des Krautrock erklärt, so ist das schlichtweg falsch. Im Frühjahr 1968 spielte die Guru Guru Groove Band das gleiche Set schon in Schwabing, und Tangerine Dream hatten sich gerade neu benannt, spielten aber noch die Musik der Ones. Auch Soul Caravan hatten sich noch nicht vom Soul gelöst. Es ist sowieso unmöglich, sich auf die Geburtsstunde von Krautrock, oder irgendeines anderen Genres, festzulegen. Musikalische Entwicklung ist immer eine fließende. Mahnert tut so, als sei die Provokation 1968 als Element der Musik neu. Rock 'n' Roll war immer Provokation, man denke an Elvis kreisende Hüften, das Auftreten der Rolling Stones, John Lennons Jesus-Vergleich.

Sein Sendungsbewusstsein stellt Detlev Mahnert auf seiner Webseite (mahnert-online.de/heinrich-heine-ob.html) unter Beweis. Man erfreue sich daran, dass er es goutiert, wenn ein Schulleiter alle Toilettentüren für die Schüler aushängen lässt. Das ist ja mal Pädagogik, wie man sie sich wünscht. Wie erzkonservativ Mahnert ist, offenbart er auf S.173f: „der Künstler und seine Muse“. Und so ist auch seine Sprache: „Das Essener Publikum dankte es ihnen mit großem Applaus.“ (176)


26           Ich habe mir bei Bear Family eine Mike Roger & The Machine Guns CD bestellt (siehe unten Nr. 13). Ja, ich muss mir diese bestellen, weil Bear Family mir nur jeweils zwei (yes, two) Belegexemplare gestattet. Allerdings bekomme ich den sogenannten "Künstlerrabatt". Diese Mike Roger CD habe ich an Jonas Porst geschickt, ein Urgestein der Nürnberger Szene. Der wird sich sicherlich freuen, denn für diese Linernotes habe ich hart und sehr lang gearbeitet.

Bear Family hat meine Bestellung ("Wir möchten Sie bitten, bei allen zukünftigen Bestellungen Ihre KUNDEN-NUMMER anzugeben.") zügig bearbeitet. Auch die Rechnung  ließ nicht lange auf sich warten. Allerdings berechnet mir Bear Family (Rechnung Nr. 11147/11) 6,- Euro plus MwSt Porto. S-e-c-h-s Euro plus für eine CD!!!!! Na bitte!! Haben die den Schuss nicht gehört!? 

Ich denke, das kann nur ein Irrtum sein, weil bei Internetbestellung nur €4,- Porto anfällt (immer noch €2,45 über den nominellen Portokosten). So schreibe ich den Bären mit der Bitte um Korrektur. Am 24.5. bekomme ich von der Mitarbeiterin Wohlers eine e-Mail mit folgendem Text:

"Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass unsere Rechnung Nr. 11147/11 vom 18.05.2011 korrekt ist. Es liegt kein Irrtum vor. Bitte begleichen Sie unsere Rechnung in voller Höhe."

Die Bären sind immer wieder für eine Überraschung gut, nicht wahr?

Wenn ich nun rekapituliere, für welch erbärmliches Honorar ich dem dicken Latzhosen-Bären die Smash...! Boom...! Bang...! (was für ein dämlicher Titel für die Serie!! Absolutely misleading! Wahrscheinlichen vom hypochondrischen und sich selbst überschätzenden Matheja ins Ohr von Weize geblasen!) CDs gestrickt habe, dann muss ich sagen: Ich wäre besser Putzen gegangen - das wäre lukrativer gewesen. Aber witzig war es schon, mit den beiden Gurus zusammenzuarbeiten.

Da kriegt man dann Texte mit der Randbemerkung "muss ich mir diese Scheiße eigentlich antun?" zurück. Und das von einer Gestalt, die den Textteil zu dem Buch "Those were the Days" (was für ein beschissener Titel für eine attraktive Fotosammlung!!) völlig in den Sand gesetzt hat und zeigt, dass er nur wenig begriffen hat. Ich verkneife mir hier mal Zitate aus diesem Buch. Matheja hat auch die Compi "Die Hamburg Scene" zu verantworten - meines Ermessens eine Blamage und die schwächste aller Smash...! Boom...! Bang...!-CDs.

Honoriert wurde ich mit 153.- Euro pro booklet.. welche bis zu 90 Seiten dick waren Ich habe einen Stundenlohn von ca. 1,50 errechnet. Meine Portokosten wurden mir ab der 10. CD erstattet.

25       Ich habe es lange aufgeschoben, doch irgendwann musste ich Farbe bekennen. Chris Hyde alias Helmut Wenske hat ein neues Buch geschrieben. Ob er es besser gelassen hätte, sei einmal dahingestellt. Falls Sackratten Blues wirklich sein letztes Buch sein sollte, war es eine schlechte Wahl, denn es ist sicherlich sein schlechtestes. 

Helmut Wenske ist ein recht eitler Mensch, der gerne wahrgenommen werden will. Das ist gut, denn oft hat er tolle Geschichten zu erzählen, sofern sie denn in einem nachvollziehbaren soziokulturellen Kontext stehen. Die Anekdoten in diesem Buch tun es nicht. Leider ist hier nur eine Patchworkdecke von Begebenheiten genäht worden, die für den Leser ohne Relevanz und ohne Bezug bleiben. Klar, ein paar Alkis kennen wir alle. Wenn sich diese um Verstand und Gesundheit saufen, so bleibt dies meistens ein trauriges Bild, doch Wenske versucht, dem etwas Heroisches abzugewinnen. Es misslingt völlig.

Die Frage bleibt: was will Wenske uns mit diesem Buch mitteilen - außer, dass er eine Menge kaputter Typen kennt, die wenig hinterlassen haben, worüber es sich lohnt, nachzudenken?

Auch erzähltechnisch ist diese Buch redundant. Wenske war ein Verbalterrorist, der durch seine Sprache verunsichern konnte, doch bei den Sackratten ist dies zu schierem Manierismus geraten. Es langweilt, wenn man erkennt, dass die drastische Terminologie allein dem Effekt dient!

Man weiß nicht, was den guten, netten Helmut antreibt, but hey man, mit 70 ist es nicht mehr cool, sein Hemd bis zum Bauchnabel aufzuknöpfen. Punkt. In Würde zu altern ist doch keine Kunst. 

Und eins MUSS an dieser Stelle gesagt werden, um der von ihm selbst initiierten Mythenbildung  zu begegnen: Helmut Wenske, so gerne er auch Shakin' All Over in der falschen Tonart singen mag, ist KEIN Rock 'n' Roll Junkie. Dazu bleibt er bei seiner Zugehensweise auf Musik zu statisch. Aber er ist ein begnadeter Maler. Und da er einen neuen Bildband plant, wird das mit Sicherheit ein lohnenswerter Kauf. Das hier abgebildete Buch kann ich - leider - nur bedingt empfehlen.



24          Mike Wells, A 60's Drummer – "The Twilights" in Ostfriesland, Oldenburg und Wilhelmshaven 1964-1966, Isensee Verlag, Oldenburg 2011, 978-3-89995-766-2 (€9,80)



Mike Wells war Drummer einer englischen 60s Beatband aus der 3. Liga: The Twilights. Sie wurden für einen Monatsjob (de facto jedoch zwei Monatsjobs) nach Wilhelmshaven verschlagen, in Wolfgang Ullrichs Big Ben Club, nachdem Keith Moon Mike beim Transport des neu erworbenen Schlagzeugs von der Shaftesberry Avenue in die Marlborough Avenue  geholfen hatte. Anschließend hatten die Burschen Engagements im Haus Waterkant in Norddeich, im Töff Töff, Oldenburg, im Café Dehos zu Mainz, in Kaiserslautern, Wiesbaden.  Überall dort haben sie die weibliche Jugend (und nicht nur diese) flachgelegt, gesoffen, bis der bei Brenninkmeyer erworbene Kamelhaarmantel vollgekotzt war, und die Musik gemacht, welche die Gastwirte wünschten. Gelegentlich gab es Probleme mit dem Bandbus, mit Hotelgardinen oder fehlenden Waschgelegenheiten. Dann wieder wurde man von "Moder" ganz hervorragend bekocht. Hatte man Geld in der Tasche, wurde dies flugs wieder unter das Volk gebracht.

 Diese Geschichten hat Mike Wells nun aufgeschrieben. Es ist ein Buch entstanden, welches Jürgen Zöller von BAP lobt - dieser Zusammenhang erschließt sich mir nicht.

 Die Vertextung bei A 60's Drummer ist hölzern, aber das mag dem Übersetzer geschuldet sein. Allerdings: Intellektuell anspruchsvoll ist das Buch nicht. Bei meiner Arbeit an Shakin' All Over und Otto & die Beatlejungs habe ich viele Geschichten über das Leben als Musiker in den 60ern in Deutschland hören dürfen, und die meisten klangen wie diese, manche interessanter. So hat mich das Buch nicht wirklich aus den Socken gehauen, doch dem weniger involvierten Leser wird es wichtige soziokulturelle Aufschlüsse in Bezug auf die Mittsechziger geben, auch wenn Wells diese nicht explizit darlegt. Der intelligente Leser wird zwischen den Zeilen lesen.

Das Zentrum von Mike Wells Welt in den 60ern lag offensichtlich zwischen seinen Beinen, und so ist dieser Disziplin viel Raum im Buch gegeben. Appetitlich ist es nicht immer, aber wenn sich jemand über sein Geschlechtsteil definiert, dann kommen eben ferkelige Geschichten dabei raus. Mich interessieren die dunklen Flecken auf Mike Wells Bettlaken nicht. Punkt. Sein Bramarbasieren erinnert mich an meinen Großvater, wenn dieser aus dem ersten Weltkrieg vor Verdun palaverte. Erstaunlich ist, dass sich der Isensee Verlag auf dieses Niveau eingelassen hat.

Ich war bei der Lesung aus dem Buch im Kling Klang, Wilhelmshaven, und ziemlich erstaunt, dass gerade bei den anrüchigen Passagen zu Lasten der involvierten Mädels die anwesenden Damen am lautesten kicherten. Wahrscheinlich bin ich in dieser Welt nicht mehr richtig einjustiert.

Um es auf den Punkt zu bringen: beim Isensee Verlag in Oldenburg kann man ein Buch erwerben, dass viele Menschen amüsieren wird, weil es die 60er Jahre (the 60s) aus der Sicht eines Musikers von Sohle 3 beschreibt.  Manche werden dieses Buch eher weniger interessant finden.

23        Wolfgang Matthiessen, TWIST & SHOUT – Flensburger Beatszene der Jahre 1962 bis 1972, Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, 3. Auflage, 2011, 978-3-925856-64-8, inkl. CD (€25,-) Hier.

Junge, Junge. 265 Seiten Fleißarbeit! Ein schier unendlicher Steinbruch für alles das, was die Flensburger Musikszene der 60er ausmacht (aber aufgemerkt, der Beat ging dort noch bis 1972, eine lokale Besonderheit sicherlich).

Wolfgang Matthiessen hat keinen Stein vergessen umzudrehen, um uns das komplette Beat-musikalische Bild einer Stadt im hohen Norden zu zeichnen. Es wird klar: trotz der relativen Nähe zu Hamburg setzt der Rock 'n' Roll nur spät seine Duftmarken droben in Schleswig-Holstein. Wo in Hessen, Rheinland-Pfalz und  Nordbayern bereits seit Jahren der Bär steppt, Dank des Einflusses der amerikanischen Besatzungssoldaten, müssen die 6 Desperados als die Speerspitze der Flensburger Musikanten Ende 1962 noch den Kontrabass durch die Gegend schleppen. Da war in Hanau oder in Offenbach bereits alles weiß mit Fender-Stratocaster-Gitarren und Fender-Verstärkern.

Ja, mühsam ernährt sich das Flensburger Eichhörnchen, doch irgendwann ist der Bunker gefüllt, und man kann auch dort den Beat brettern, wo vorher noch das Akkordeon dominierte. Immerhin gibt es ganz fix – und zwar seit dem 1.8.64 – für kurze Zeit den Star-Club Flensburg, und so kommen die Holsteiner auch in den Genuss der üblichen Star-Club-Bands. King Size Taylor, Lee Curtiss, The Rattles, The Tremors, Ian & The Zodiacs, aber auch Die Tornados (später The Rollicks) aus Berlin geigen der Jugend einen vor, dass der Lokalpresse Hören und Sehen vergeht.


Matthiessen legt sein Augenmerk auf die stadteigenen Bands, und er tut dies mit sehr viel Akribie und Forschergeist. Wer immer eine Saite bog, wer immer eine Taste drückte oder ein Fell beklopfte, um zu erzeugen, was gemeinhin als Beatmusik bezeichnet wird, kommt hier zu Ehren. Die Bandstorys sind so ausführlich, wie es eben geht, aber darin liegt auch immer eine Gefahr. So mangelt es Matthiessens Schreibstil ein wenig an Beat und Rock 'n' Roll. Herr Matthiessen ist schreibtechnisch eher zurückhaltend, nüchtern und unkreativ. Kurzum: seine Schreibe ist ein wenig bieder.

Was mir in diesem Buch fehlt, ist ein soziokultureller Ausflug in die Welt der regionalen, der Flensburger Beatszene. Die Übernahmen von Anzeigen und Ankündigungen aus dem Flensburger Tageblatt für die einzelnen Jahre sind diesbezüglich etwas dünnbrüstig, vor allem da man weiß, dass die lokale Presse nicht vorurteilsfrei mit dem Beatphänomen umgegangen ist. So muss man bei den Bandgeschichten mühsam zwischen den Zeilen lesen, um etwas mehr über die soziokulturellen Besonderheiten der Stadt an der dänischen Grenze zu erfahren.

Ich kann dieses Buch all jenen empfehlen, die die Geschichte der Beatmusik in der BRD lückenlos dokumentiert vorliegen haben wollen. Falls jemand jedoch an Rock-'n'-Roll-writing interessiert ist, sollte er sich anderweitig umschauen.

Ja, eine CD ist auch gratis dabei. Da gibt es zumindest drei Flensburger 60s Bands mit Tonbeispielen in guter Qualität.

22              Chris Hyde alias Helmut Wenske - siehe oben.

21    Keep It Together!: Cosmic Boogie with the Deviants and the Pink Fairies von RICH DEAKIN ist ein wunderbares Buch, welches den britischen (sprich: Londoner) Underground beleuchtet und erhellt. Alle relevanten Zeitzeugen kommen zu Wort, und nebenbei gibt es die ausführlichen, aber nicht weitschweifigen Geschichten von zwei völlig schrägen Bands - The Deviants und the Pink Fairies. Natürlich werden auch Blutsbrüder wie the Pretty Things, The Edgar Broughton Band, Man, the MC5 etc. gewürdigt. Und an Hawkwind - die oft genug mit den Fairies als Pinkwind aufgetreten sind - führt allemal kein Weg vorbei. It, Oz und Frendz als Undergroundzeitungen werden in ihrer Relevanz aufgezeigt. Begebenenheiten um Events wie The 14 Hour Technicolour Dream, Glastonbury Fayre, Isle of Wight Festival machen die Lektüre spannend.


Das Buch setzt sich durchaus kritisch und differenziert mit allen Aspekten des Londoner Kommunelebens, der politischen Attitüde, der unterschiedlichen Charaktere in den entsprechenden Bands und den Eitelkeiten und sozialen Kompetenzen der Musiker auseinander.

Die Geschichte der Pink Fairies ab der re-union in den 80er Jahren ist dann weitgehend eine Ansammlung von Fakten und relativ anstrengend zu lesen. Davor bringen viele Anekdoten zum Teil köstliche Unterhaltung, doch stilistisch könnte das Buch etwas runder sein. Eine CD mit z.T. bislang unveröffentlichtem Material liegt dafür bei.

Es ist müßig zu erwähnen - ich war ein großer Pink-Fairies-Fan! Und weil ich mich in hartbeat! kritisch zu ihm geäußert hatte, hat mich Larry Wallis 1988 in Bochum aus dem Backstageraum gejagt. Das letzte, was er mir nachrief, war: "I was in this band [Motörhead] for f***ing fourteen months!!!"

20     Ich habe mir zu Weihnachten "Life" von Keith Richards gewünscht - und auch bekommen. Es war nicht die tolle Lektüre, die ich erwartet hatte. Für amazon.com habe ich eine Rezension geschrieben. Hier ist sie:

One boring old fart

A lot of people have been very enthusiastic about this book. I am not. Surely Keith Richards has got a few stories to tell, but so would everybody after being in Rock biz for nigh 50 years. It's the way he tells these stories - absolutely anticlimactic!

This book - just does not rock!

He obviously is not a man of letters, something he tries to make up for by using expletives as often as possible. Let's face it: Unlike Deke Leonard or Sean Tyla, whom he probably has never heard of, Keith Richards has not got it in him to make the words roll.

All that repetitive shit about the validity of the Blues and how he found out about the 5-string open tuning and its advantages!! A couple of lines would have been okay, but pages?

All that repetitive bullshit about him and Mick being like brothers!! I mean, Keith hasn't been inside Jagger's backstage room for more than 20 years and they've been flinging more abuse at each other via the tabloids than there are stars in the sky. Brothers? You do not have to read between the lines, you can actually smell how Mister Richards is begrudging Mick the knighthood. The way Keef expected it to go was that Mick would decline and say "Never ever - if Keith doesn't get one at the same time".

Keith, you are a bore. Believe it or not, but Keith Richards' daughter's fiancé must ask permission to marry her from his to-be-father-in-law!! Hey, where are we? Britain in the 50s? This guy is as conservative as my wife's auntie who accused us of living in sin as we weren't married and yet living together in 1974. At the same time he's quite out of his mind. Who - if not a loony - would risk spoiling his daughter's wedding just because his son's mate is wearing a couple of spring onions behind his ears - and later be bragging about it in a book?!

This man has been in a state of intoxication for more than 40 years now. Starting off with psychedelic drugs he soon got involved in smack and after coming off that it was cocaine, more weed and Jack Daniels (or was it Jim Bean?). A good deal of this book is dedicated to his exploits as a drug abuser. That's what I already loathed about David Crosby's book "Long Time Gone". It's like those war veterans like my granddad bragging about WW1 and when he was down in the trenches of Verdun looking the enemy in the cold eye. And staring the enemy down, of course, or escaping the mortal bullet quite close - which hit his helmet and ricocheted back to kill one of the Tommies. 

After all those years Keith Richards still can't forgive the Sex Pistols for calling the Rolling Stones boring old farts and in return he's accusing them of not being able to master their instruments properly. As if Rock 'n' Roll had got anything to do with that! Keith, how deep can the wound be?

 And all those quotes from other people flattering him! How low must his self-esteem be? What's worst is the name dropping - he even got a letter from Tony ****ing Blair after he'd banged his head. I'm impressed.

 Many things have not even been touched in "Life". Sadly there's no word about "December's Children", "Between The Buttons", "We Love You" or "2000 Light Years" - but at the same time Keith takes his time and wants to sell us the single "Street Fighting Man" as a genuine political statement, which was released at a time when the Stones were recognizing they were not as wealthy as they ought to be - despite owning mansions and Bentleys - and thus hiring different managing personnel. I can't remember any single person who believed "Street Fighting Man" to be a sincere political statement back then, even those who were in favour of the Stones.

 To garnish my consumption of "Life" I watched the Rolling Stones live in Japan 1990, and I was not impressed. Wood pulling off a couple of guitar hero stances in yellow sneakers (why not pink?), Richards doing his best to add a bit of Arena Rock atmosphere, and that ponce Jagger prancing about with the phrasing all wrong and sounding so mannered that it hurts. I knew we could write them off after disrespectfully throwing buckets of water on their audience - which is the hand that feeds them, right? - during their early 70s tour.

Mind: I used to be a Rolling Stones fanatic in my teens.

19    Schreibt ein Rock 'n' Roller ein Buch, so ist ja nicht immer gewährleistet, dass dieses auch genauso rockt, wie seine Musik. Nun hat Sean Tyla seine Erinnerungen an die Zeit mit Ducks Deluxe und deren Nachfolger Tyla Gang niedergeschrieben. Ich bin ein großer Ducks Deluxe-Fan, und ich habe gleich meine komplette Ducks-Deluxe-Sammlung herausgeholt, und während ich dies schreibe, läuft ein Liveband aus Boddy's Music Inn von 1974. Einfach grandioser Pubrock. '

Ich hatte so meine Bedenken, ob Tylas Schreibe der Musik pari kommen könnte, aber wie Deke Leonards "Rhinos, Winos & Lunatics" ist dies ein Buch, dass von den ersten Zeilen an fesselt und nicht nur durch die Anekdoten und geschilderten Ereignisse überzeugt, sondern auch durch eine punktgenaue Vertextung. Hier steht kein überflüssiges Wort – im Gegensatz zu Keith Richards "Life" – und mitunter ist es traurig mitzuerleben, wie Tyla und seine Freunde als Spielball in einem Flipperspiel von Managern und A&R-men herhalten müssen. Für eine Band aus der 2.Liga der 70er war eine Hose zum Wechseln Luxus, und gelegentlich mussten schon mal die Gitarren verkauft werden, um die Familie zu ernähren. Aber auch Erhellendes über Weggefährten wie Nick "Basher" Lowe und Dave "Dai" Edmunds hat Tyla auf Lager. Und wenn das Buch dann in der unvollendeten Geschichte endet, ist man schon überrascht. Nun, das Ende hätten wir auch gerne erfahren! Ist aber nicht! That's Rock 'n' Roll.

Erschienen bei Soundcheckbooks, erhältlich über amazon – und ein Muss.

Und als Garnierung ein paar relevante Plattencover. Die Nick-Lowe-Single-A-Side wurde von Wilko Johnson geschrieben, aber auf der Rückseite verbirgt sich der best-ever-Nick-Lowe-track. A real killer Punk-tune.

                                        

Und, das Sahnehäubchen, SEAN TYLA & HIS GANG Amsterdam Dog - produced by the Ducks - auf Dynamo (NL):
 

18        Wir waren am 29.10.10 bei den Pretty Things, die im lokalen Fair Café spielten. Die Band war klasse wie immer. Leider stand den ganzen Abend so ein Kasper im bunten Hemd auf der Bühne und schüttelte die Rässelchen. Es soll ihr Manager gewesen sein, aber was die Nummer sollte, habe ich nicht verstanden. Nach der Zugabe kam dann noch der Besitzer des Lokals auf die Bühne, um, wie ihm zu eigen, in seine Mundharmonika zu quietschen. Die Band mochte dies gar nicht,  beendete die Nummer nach 45 Sekunden und verschwand. Obwohl das Publikum ausdauernd nach einer zweiten Zugabe rief und pfiff und klatschte, mochte die Band aufgrund dieses Vorfalls nicht mehr. Ich kann es irgendwie verstehen. Konzerte sollen ja mit dem Höhepunkt enden, und den hätten die Pretty Things sicher noch bereit gehabt, und nicht aufgrund des Sendungsbewusstseins des Lokalbesitzer mit einem Abschwung.

17                                Zwei Reissues von The Lords

Ich habe jetzt eine Weile überlegt, ob ich diese CDs noch auf meine homepage stellen soll. Aber da mir die Linernotes ganz gut gelungen sind und ich wieder viele interessante Facetten aus dem Leben und der Karriere der Lords zutage gefördert habe, sollte man der Lords zuliebe doch auf sie hinweisen.

Beide CDs beinhalten unterschiedliche Linernotes von mir, in booklets von je ca. 50 Seiten zusammengefasst, so dass zusammen ein noch runderes Bild entsteht. Während sich der Text zu In Black And White sich eher auf den Beginn der Karriere der konzentriert, geht der zu Some Folks mehr auf die späteren Jahre ein.


Bei BCD 17127 AH gibt es 4 Monomix-Versionen zusätzlich plus einer live-Aufnahme von Poor Boy. Das gab noch einmal Raum, auf die sprachlichen Defizite der Lords einzugehen, und es konnte nun endlich gerade gerückt werden, dass der berühmte 'learned'-Fehler im Text von Poor Boy eben keiner ist. Aber das was, wie und warum muss man schon nachlesen. Leider ist hier die 1968er Re-Issue-Version der LP verwendet worden und nicht das 1965er Original. So fehlt also Poison Ivy, und Shakin' All Over taucht fälschlicher Weise auf.

Auf BCD 17125 AH (ja, die spätere LP hat die frühere Katalognummer bei Bear Family bekommen) gibt es ebenfalls vier Monomix-Version zusätzlich, die wieder allesamt von den veröffentlichten Singles stammen. Die Soundqualität hat gegenüber der Original-LP wohl gewonnen, so klingt es bei mir zu Hause jedenfalls, und Lord Gandy findet dies auch. Interessant sind die beiden LPs auch, weil nicht nur die beiden bislang eher wenig befragten Rainer Petry und Max Donath ausführlich zu Wort kommen, sondern auch deren Produzent Wolfgang Hirschmann.Auch das Foto auf dem Cover ist nun endlich seitenrichtig.

16         Von Beatles bis Bowie – The London 60s ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung mit Fotoarbeiten zur populären Musik von 1960 (als es die Beatles noch nicht gab) bis 1969. Zurzeit befindet die Ausstellung in der National Portrait Gallery, London. Ab 6. Februar wird sie in der Laing Art Gallery, Newcastle upon Tyne, und anschließend in der Norwich Castle Museum and Art Gallery zu sehen sein. Es werden wunderschöne Exponate der bedeutendsten und besten Rockfotografen, die die 60er Jahre hervorgebracht haben, gezeigt. Die Fotos sind von höchster künstlerischer und abbildungstechnischer Qualität; die Reproduktionen sind state-of-the-art. Soweit erste Sahne.

Eine bittere Pille sind jedoch die begleitenden Texte, die sich auf einem Niveau bewegen, welches für einen Ausstellungskatalog nicht  tolerierbar ist. Jon Savage hat das einleitende Essay geschrieben. Ich besitze seine Biographien zu The Kinks und The Sex Pistols. Beide sind mir nicht als besonders herausragend in Erinnerung geblieben, allerdings sind sie in meinem Gedächtnis auch nicht negativ besetzt. Das Bild, welches Savage hier von den 60s  zeichnet, ist jedoch von Vordergründigkeiten, Banalitäten, Vorurteilen, Halbwahrheiten und sprachlichem Gewürge, wie "wichtigster Einfluss im Underground war der britische Blues-Boom" (S.24), geprägt. Ich kenne den Originaltext nicht, deshalb kann ich nicht beurteilen, ob die sprachlichen Defizite allein dem Übersetzer anzulasten sind. Walter Ahlers hat kein Problem damit, gleiche Satzmuster – zum Beispiel Hauptsatz mit eingeschobenem Relativsatz – gleich dreimal hintereinander zu verwenden, etwas was in jedem Schüleraufsatz als Ausdrucksschwäche markiert würde.  Ein Lektorat gab es offensichtlich nicht: dies zeigt sich am Beispiel der Kopplungen. Gelegentlich wird konsequent durchgekoppelt, dann zur Hälfte, dann wieder gar nicht. Ein Lektor hätte dies vereinheitlicht.

Aber der Unsinn, den Savage hier schreibt, hätte einer gründliche Redaktion bedurft - nicht allein, weil selbst Songtitel falsch geschrieben werden ("Heartful of Soul" statt "Heart Full Of Soul" (S.19)). Ein Redakteur hätte bemerkt, dass die Aussage "Das Cover zeigt The Dave Clark Five im typischen Outfit (NB: Was für ein Unwort!) – weißes Polohemd (…)" (S.101) falsch ist. Sie tragen Rollkragenpullover! 

Auch der Inhalt ist stellenweise grenzwertig, was einem informierten Redakteur hätte auffallen müssen: "Die Beatles waren, wie ihre Fans der ersten Stunde, keine Teenager mehr; sie hatten andere Interessen (NB: als was?) und familiäre Verpflichtungen. 1969 heiratete Paul McCartney Linda Eastman, John Lennon heiratete Yoko Ono." (S.24). Nun hatte es für die Beatles bereits weit vor diesem Jahr Unterhaltsverpflichtungen gegeben, aber immerhin entdeckt Savage David Bowie für 1969, "das Jackett mit einem Anflug von Retro" und "einen Star, der sein Image im Griff hat." (S.25). Dann behauptet er, dass Doncha Bother Me von den Rolling Stones 1966 acht Wochen No.1 in den Charts war (S.25), ein Song, der nur auf einer LP veröffentlicht wurde! 1969 hat Led Zeppelin angeblich "3 Top-Ten-Alben" (S.24). Immerhin findet er in London "senkrechte Straßenlaternen" (S.19), wahrscheinlich waren ihm sonst nur waagerechte bekannt. Dummerweise hält er ein Aufputschmittel ("Purple Hearts") für eine "Jugendkultur" (S.19).

"1965 wurde zunächst Cannabis, später auch LSD von der Pop Elite übernommen." (S.19). Na, wenn das mal kein sprachliches wie auch inhaltliches Meisterstück ist!! Und die Ironie von Dedicated Follower Of Fashion als sardonisch zu bezeichnen, schießt über das Ziel hinaus. Schön finde ich die Charakterisierung von "Jimi Hendrix, einem zugezogenen Schwarzamerikaner in Carnaby Street-Klamotten." Wunderbar. Gelegentlich bringt Savage mal ein paar Bands durcheinander, wie Cream, Traffic und Jeff Beck (S.22).

Nun werden populäre Musiker wie Traffic und Jeff Beck zu "Underground-Größen" erklärt (S.21), und dann sträuben sich doch die Nackenhaare. Oder wenn dem Fischaugen-Objektiv ein "Desorientierungseffekt" (S.22) zugeschrieben wird. Witzig finde ich solche Aussagen  wie "Steve Winwood (…) widersetzte sich der Konvention, in dem er zum Leben und Arbeiten aufs Land zog." (S.22). Es war mir unbekannt, dass er Bauer oder ähnliches wurde. Ich habe ihn weiterhin auf den Bühnen der großen Städte seine Musik machen sehen.

Hanebüchend wird es, wenn es heißt, dass die "durch den Rückzug der Beatles und Bob Dylans entstandene Lücke" 1967 u.a. von The Foundations geschlossen wurde (S.22): Einen größeren Stuss habe ich selten gelesen.

Ein sprachlicher Klassiker ist der folgende Satz von S.23: "1968 brachten Underground-Musiker die kreativsten Bilder." Und ich dachte, die Bilder kamen von den Fotografen! Oder zumindest von Malern.

Walter Ahlers übersetzt auch die Texte zum eigentlich Bildteil "Die Sixties – Jahr für Jahr". Terence Pepper ordnet die Bilder nicht thematisch, sondern nach Jahren. Dabei verfasst er längere Texte zur Erklärung dieser Bilder. Mitten im Absatz wechselt er die Themen (S.52, S.80 usw.). Manches bleibt völlig inkohärent. Es kommen sprachliche Trümmergrundstücke zum Vorschein, die man nicht für möglich hält. Zu Johnny Kidd findet er eine "minutiös komponierte Seeräuberkulisse" (S.28). Dann heißt es sinnschwanger, doch unverständlich: "Er produzierte choreographierte Studien von Großbritanniens erfolgreichster Gruppe des Jahres – The Shadows." (S.28). Schlichtweg sprachlichen Blödsinn finden wir dann auf S.80 - "Am 30. September formierte er die Köpfe der Rolling Stones zu einer quadratischen Komposition, aus der ein Albumcover wurde" - oder auf S.38: "1960 verteilten sich Pop-Photos auf diverse Formate, von denen das Albumcover wohl das wichtigste war, zu denen aber auch die für das Platten kaufende Teenagerpublikum attraktiven Medien gehörten." Abgesehen davon, dass kurz vorher noch konstatiert wurde, dass in der Frühzeit des Britpop das Album kaum eine Rolle spielte, ist das sprachlicher Kappes.

Pepper wartet mit grandiosen Erkenntnissen auf: er spricht sogar von einem "Erfinder der Carnaby Street" (S.102). Mich würde nun noch der Name interessieren!

Ein paar Beispiele vom Niveau der Texte möchte ich noch aufführen:                         "Am 14. Januar schloss sich ein 18-tägiges Gastspiel in Paris an, und in dieser Zeit wurden sie von Jean-Marie Périer, dem führenden Photographen von Salut les copains beim Anzünden ihrer Zigaretten abgelichtet." (S.80) Da werden wohl eine Menge Streichhölzer bei draufgegangen sein.                                                                                          "Auf Cyrus Andrews' (Upps, das Idiotenapostroph!) Portrait, das gleichzeitig mit David Bowies Single 'Can't Help Thinking About Me' erschien, trägt der Sänger eine Op Art-Krawatte."

Ich mag gar nicht alles aufzählen, was ich beim kursorischen Lesen an inhaltlichen und sprachlichen Mängeln entdeckt habe. Eine intensive Lektüre habe ich nach kurzer Zeit eingestellt, weil es einen ärgerlich macht, mit einer solchen Masse von Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden, die aber nur hier und da auf Setzfehler zurückzuführen sind ("Gerry and The Pacemakers waren in dem Ferry Cross the Mersey von Tony Clark zu sehen" (S.122)) - oder mangelhafte Recherche, wenn bei 9 abgebildeten Musikern sechzehn Namen die Bildunterschrift zieren!

Bezüglich Billy Fury heißt es: "Er wurde in zwei seiner berühmtesten Verkleidungen photographiert, in einem T-Shirt als Hommage an James Dean von Ida Kar, der ersten Photographin, der eine größere Ausstellung in einer Londoner Kunstgalerie gewidmet war (…), und im Goldlamé-Jackett à la Elvis von David Wedgbury, Chefphotograph der Decca Records während des ganzen Jahrzehnts." (S.40). Dieser Satz mag exemplarisch dafür stehen, dass das Buch seinen sich selbst gesetzten Auftrag nicht erfüllt. Es will die Geschichte der Popmusik anhand der Fotos erklären, demaskiert diese aber als Verkleidungen, als historisch nicht relevanten Fake.


15            Martinus Boll (ich verwette meinen besten Borsalino, dass dies ein Pfarrerssohn ist! (Sorry, hier lag ich falsch. Irgendjemand vom Martinus-Boll-Fan-Club schrieb mir er sei Lehrerssohn) hat uns kürzlich ein Buch hinterlassen: "Beat und Rock in Darmstadt 1960-1975" (Büchner Verlag, ISBN 978-3-941310-02-5, 2008, € 12,90). Herr Boll ist Kirchenorganist, und als solcher mag er die eine oder andere richtige Taste drücken, doch als Autor ist er schlichtweg eine Niete und hätte besser die Finger von den Keyboards gelassen. Boll fehlt jeder Rock 'n' Roll - seine Sprache ist hölzern, der Text uneingeschränkt langweilig, seine Erkenntnisse banal und oft falsch. Was Boll an Richtigem zu berichten hat, ist hundertmal gesagt geworden. Ich habe schon viele Bücher gelesen, die von ambitionierten, aber ungeübten Schreibern verfasst wurden, aber das Buch von Boll hat eine ganz besondere Qualität. Hier ein Beleg: "Die Auftritte (nicht, dass er selbst dort aufgetreten wäre... Anm. d. Verf.) in den US-Clubs hatten für mich immer die Aura des Mysteriösen, ja Exotischen. Durch meine zahlreichen Gespräche mit den Bandmusikern gelang es mir doch, mir einen besseren Überblick über die Hintergründe zum Thema US-Clubs zu verschaffen. Und diese möchte ich dem Leser dieses Buches nicht vorenthalten." (S.9) Nun überrascht Boll uns mit folgenden Worten: "Der amerikanische Club (in Musikerkreisen schlicht "Ami-Club" genannt)  war, wie ich später zeigen werde, eine völlig in sich abgeschlossene Welt, die neben der deutschen Schulball-Welt in den amerikanischen Standorten existierte."  (ebd.) Das ist nicht nur inhaltlicher, sondern auch sprachlicher Müll. Ein Großteil des Fotomaterials sind streifige, unscharfe und in Unehren ergraute Fotokopien!! Ich bin überrascht, dass ein Verlag so wenig verlegerische Intuition hat, um ein solches Buch zu verhindern. Wenn es einen Preis gäbe für das schlechteste Musikbuch in Deutschland, wäre "Beat und Rock in Darmstadt 1960-1975" der aussichtsreichste Wettbewerber

14               Rudi Kern, der so aussieht wie er heißt, hat ein nettes kleines Büchlein zu "Rock unterm Kaltenstein" (IPa-Verlag, 2005) veröffentlicht. Rockmusik in Vaihingen hat er sich vor die Brust genommen, und ich muss gestehen, ich wusste nicht einmal, wo ich den Ort zu lokalisieren hatte.  Dank Google maps bin ich nun schlauer, und ich weiß auch, dass THE LIGHTNINGS die großen BEATbringer in just jenem Kleinstädtchen waren, und dass Little Lord, der einsvierzig-kleingeratene Fritz Gröger, eine zeitlang deren Leadsänger war. Alle weiteren Bands in "Rock unterm Kaltenstein" datieren aus späteren Jahren. Aber da gab es noch eine Tanzkapelle, The Players, und die hat mit "Bleib doch hier" eine Single auf Elite Special hinterlassen. Das Buch hat keine ISBN-Nummer, aber der IPa-Verlag, 71665 Vaihingen/Enz-Roßwag, sollte aufzuspüren sein. Ich habe es ja auch geschafft. :-)

13                            Eine neue CD bei Bear Family Records

MIKE ROGER & THE MACHINE GUNS

Die Linernotes sind geschrieben, das Layout hat Sven Uhrmann abgeschlossen, so kann diese CD bald in die Produktion gehen. Mike Roger und seine Machine Guns decken ein anderes Kapitel deutscher Nachkriegsmusik ab als die üblichen von mir betreuten Beatveröffentlichungen. Hier rollt eher Fats Domino und Louis Prima! Die Recherche über die deutsche Rockmusikszene nach dem 2. Weltkrieg, und ich beginne da im Jahre 1946, hat Interessantes, Abenteuerliches und Faszinierendes hervorgebracht. Viele Bilder, die illustrieren, was der Text beschreibt, sind von Sven Uhrmann perfekt plaziert worden. Eine ganz andere Seite der Musik in Deutschland nach 1945 wird hier erstmals beleuchtet. Es hat nicht nur Spaß gemacht, es ist auch ein wunderbares Dokument entstanden, auf das ich stolz bin.

12                     Neue BEAT-CD bei Bear Family Records

THE GISHA BROTHERS

Vor den Sommerferien ist bei Bear Family Records die CD "The Gisha Brothers" erschienen. Sie deckt deren interessantestes und beatigstes Material ab. Diese Hanauer Gruppe, die eine der ersten war, die auf dem deutschen CBS Label Platten veröffentlichte, besticht durch ihre hohen musikalischen Standard... und wenn man Englisch sang, dann klang es auch so. Ich habe die Linernotes für das 30seitige Booklet geschrieben, und dafür habe ich die alten Kämpen noch einmal interviewt. Eine interessante Zusammenstellung, die gut durchhörbar ist und ein paar wirkliche Knüller beinhaltet. www.bear-family.de 



11                     THE NEW ISSUE OF "UGLY THINGS" IS OUT!

And what a scorcher it is! Brimful with the coolest 60s bands like THE (female) DANDY GILRS, THE SHINDOGS, THE GOOD FEELINS, TROYKA, THE DAUGHTERS OF EVE (also female), THE CANDYMEN, THE BOY BLUES  etc. and extensive features on THE MOVE, THE DAVE CLARK FIVE, Roky Erickson's pre-13th Floor Elevators' THE SPADES plus tons of otherwise interesting stuff like record/CD reviews, DVD reviews, the history of fanzine publishing or a post mortem on agent Bryan Morrison who handled the Pink Floyd, the Pretty Things, Marc Bolan, Jimi Hendrix, Aynsley Dunbar, Arthur Brown among dozens of others. Also great to read is the Philipe DeBarge episode in the career of THE PRETTY THINGS. Well, it made me quite proud to read about Gorilla Beat in the editorial. Thanks Mike, more than I (and my mate Alfred) deserve. Note: at $ 8,95 this massive 208-page issue is almost for free. It's the queen of 60s magazines for sure, and an exciting ride on the rock 'n' roll rollercoaster from the very first to the very last page. A killer. Ugly Things, P.O.Box 4121, La Mesa, CA 91944, USA www.ugly-things.com


10 Mein Lieblingkarikaturist ARI PLIKAT hat ein neues Buch veröffentlicht, ("JETZT KOMMT DAS BESTE!", Carlsen, ISBN 978-3-551-68036-5) und für € 9,95 ist es einfach geschenkt. Circa 80 Cartoons mit Biss, schrägen Typen und Sex Appeal (nebst Rock 'n' Roll!). Ari hat nicht nur seinen absolut eigenwilligen Stil, der unkopiert ist, er hat auch die skurrilsten Einfälle und einen Humor, der in seinem Sarkasmus und dem Rütteln an Taboos eher englisch als deutsch ist. Vielleicht ist das der Grund, warum er noch nicht der Superstar auf der Cartoonszene ist. Die Deutschen sind möglicherweise noch nicht reif für ihn. So wird es ihm gehen, wie den Monks: erst im hohen Alter wird ihm der Stellenwert zukommen, der ihm wirklich gebührt. 


9 Kürzlich erschien bei DREDFOX die deutsche Übersetzung von Deke Leonards "Rhinos, Winos & Lunatics" (Man - die Legende einer Rock-Band) (ISBN 978-3-89064-074-7, € 19,90, 351 S.). Deke Leonard kann nicht nur schreiben, er hat auch einiges erlebt mit seiner Band, die auf dem Kontinent mehr Stellenwert besaß, als im englischen Mutterland. Ich kann mich an kein bedeutendes Rockfestival der frühen bis Mitt-Siebziger erinnern, auf dem Man gefehlt hat. Einfach eine Klasseband, deren Alben ich heute noch regelmäßig auflege. Die Übersetzung von Jörg Gülden (Rolling Stone) ist gelungen, die Ausgabe an sich deutlich der englischen Orginalausgabe überlegen - schönes Bildmaterial, gutes Schriftbild, ansprechendes Cover. Wer etwas über Rockkultur aus der Perspektive eines (recht intellektuellen) Insiders erfahren will, der ist bei diesem Buch gut aufgehoben. Eigentlich ein Muss.



8 Wer ein wenig in unsere Nachbarschaft schauen möchte, dem empfehle ich das kürzlich erschienene Buch "Die wilden 60er – Eine Zeitreise in das Delmenhorst der 1960er Jahre" von Johann Peter Eickhorst und Thomas Breuer. Nicht gerade ein genialer Titel, aber ein schönes Buch, welches sich mit dem Zeitgeist – wie in DEL damals vorzufinden – generell auseinandersetzt. Aber auch die Musiker kommen zum Zuge, und der Besuch von Brian Jones im Städtchen an der Delme wird ausreichend gewürdigt. Allein auf dem Cover hat er m.E. nichts zu suchen, aber das hatte ich nicht zu entscheiden. Ich glaube ich habe € 17,80 bezahlt. Verlag Rieck, ISBN 978-3—920794-75-3.


7 Einen stadtbezogenen Aspekt haben auch Wolfgang Hellfeier (The God of Hellfire?), Waldo Karpenkiel, Ulrich Pudelko und Hans Rommerskirchen in den Vordergrund gestellt: "wer beatet mehr ? – Die Live-Beat-Szene der 60er Jahre in Krefeld". Gut recherchiert - und im Mittelpunkt stehen natürlich die von mir sehr geschätzte Band Die Fremden sowie die Kelty Brothers. Leporello Buch, € 18,00, ISBN 3-936783-14-4.

 

6 Früher hätten sich die Bands nach einem Engagement im Star-Palast gerissen, nun gibt es ein Buch zum Club – allerdings wird nur das Haupthaus in Kiel erfasst und nicht die Dependancen. Autor Klaus Härtel recherchiert genau, und so ist ein sachlich fundiertes Buch herausgekommen "Star-Palast und 'Skinny Minny'". Härtel und Exner Verleg, € 39,00, ISBN 3-931476-95-2.



5 Sehr zu empfehlen für Musikfreunde, die gerne die historischen Aspekte ergründen, ist das von Rope Schmitz hervorragend gemachte "Bonner Rock Lexikon – Von 1965 bis 2005 320 Bands der Beethovenstadt". Dort findet man nicht nur schöne Geschichten und gut recherchierte Geschichte, sondern auch interessante Querverbindungen. Erschienen im Eigenverlag und erhältlich über den Autor.

 

4 Ein absolutes Muss ist natürlich das von Heinz Dietz und Mathias Buck erarbeitete und herausgegebene Buch "Die deutschen Beatbands". Hier werden alle Plattencover abgebildet, die Bezug zur deutschen Beatszene haben. Jede, noch so unbekannte und kuriose deutsche Band, die eine Schallplatte hinterlassen hat, findet sich dokumentiert, wie auch jene englischen Bands, die nur in Deutschland ein Plattenstudio von innen gesehen haben. Und wenn ich hier von 216 Seiten im Großformat mit jeweils 12 Coverabbildungen pro Seite rede, dann weiß man, wie viele Spuren die deutschen Bands hinterlassen haben. In seiner Fülle und seinem Reichtum ist dieses Buch ein absoluter Schatz, ein Leben ohne dieses könnte ich mir nicht mehr vorstellen. Und wetten, die Mehrzahl aller hier abgebildeten Platten sind dem Leser unbekannt!? € 24 über die Autoren.

3 Kürzlich habe ich mir das 680-Seiten-Buch "Komm, gib mir deine Hand" von Thorsten Knublauch und  Axel Korinth gekauft. Es behandelt die Beatles-Karriere in Deutschland, und ich muss gestehen, ich habe selten ein schlechter geschriebenes Buch in der Hand gehalten. Hier waren zwei Erbsenzähler an der Arbeit, haben jeden Stein umgedreht, um etwas zu finden, und sich dabei in einem Wirrwarr von Querverweisen à la "Wie wir im Kapitel (...) schon beschrieben haben...", Weitschweifigkeiten und Wiederholungen verrannt. Natürlich stand keiner der Protagonisten aus der ersten Reihe für Befragungen zur Verfügung, und so wird dann alles mühsam über Dritte recherchiert. Dabei ist die Beweisführung ungelenk und umständlich. Die Sprache ist hölzern und eckig, der Wortschatz der eines Mittelstufenschülers. Zitat gefällig? "Es gibt sogar ein Foto von Jürgen und Paul, was Jürgen nicht kannte, bis wir es ihm geschickt haben. Dieses Bild und weitere findet man in neueren Auflagen des Hunter Davies Buchs. Die Fotos sind von John und Paul, aber auch von Jürgen Vollmer gemacht worden. Jürgen schrieb in einem Brief an uns wie folgt: (...)" Diese Stelle ist willkürlich per Daumenkino ausgewählt. Ich fand es müßig, nach dem Schlimmsten zu suchen. Kurzum: dem Buch fehlt jede Dynamik und jeder Impetus, und deshalb ist es nur gleichgesinnten Erbsenzählern zu empfehlen. Ich habe mich selten mehr gelangweilt. Und wen interessiert es, ob eine Aufnahmesession um 2.00 h oder 2.15 h begann? Wäre dieser Schinken nicht schwer wie ein Amboss, würde ich es für eine Parodie halten. Aber diese Leute nehmen jeden gelassenen Furz schrecklich ernst und suhlen sich selbstbeweihräuchernd in Belanglosigkeiten. 


__________________________________________________________________________

2 Superschicke Bühnenoutfits für unsere Heroen... ich hatte zu der Zeit einen ähnlichen geschnittenen Pepitamantel. Nur so nebenbei erwähnt. Fand mich voll cool. So ging es den Stones wahrscheinlich auch, auch wenn sie es heute sicherlich abstreiten würden. Kann man ja auch verstehen. Nur eins verstehe ich nicht: dass man einfach jemandem die Füße abhackt und in Stiefeln unter den Tisch stellt.

PS: Oder  ist das Andrew Loog Oldham, der noch wachsen muß?

__________________________________________________________________________

1 Wieviel Pech kann man haben?! Da haben die Burschen einen tollen Bandnamen gefunden - The Pacemakers - und schon kommen ein paar Schnösel aus Liverpool daher und haben einen Hit. Aus ist's mit dem Bandnamen! Also muss ein neuer her: The Seekers. Doch es sind bereits drei Jungs und ein Mädel aus Down Under auf dem Schiff in Richtung Vereinigtes Königreich, um in der Hitparade herumzumuscheln und unsern Londoner Freunden die Buchstabensuppe zu versalzen. Aber, Leute, jetzt gehen wir auf Nummer sicher! Ich habe mir da einen Namen ausgedacht, auf den kommt sonst keiner: The Gobbledegooks!



Fügen Sie hier Ihren eigenen Text ein.